Videonale on Tour auf dem Filmfest Braunschweig

2.-8.11.2015

Im Rahmen des Filmfest Braunschweig präsentiert die Videonale eine Auswahl von Festivalbeiträgen. Allen Beiträgen gemein ist, dass sie sich komplexen sozialen, psychischen oder auch natürlichen Zuständen über eine starke Präsenz des Körperlichen annähern und so den zweidimensionalen Bildraum scheinbar sinnlich erweitern. 

 

www.filmfest-braunschweig.de

 

Donnerstag, 5.11.2015, 19 Uhr

 

Programm:

Cerith Wyn Evans, Degrees of Blindness, 1988, GB, 18:58 Min, Farbe [VIDEONALE.4]
Von einem Gedicht William Blakes inspiriert, untersucht Evans die verschiedenen Möglichkeiten die uns umgebende Welt wahrzunehmen und die unterschiedlichen Stufen von Visionen zu durchleuchten. In einer vielschichtigen Bildcollage trifft die Thematik des Sündenfalls mit Aufnahmen blinder Kinder, die mit Hilfe der Braille-Schrift die Welt entziffern, sowie mit Darstellungen der neuesten Formen von visueller Repräsentation aufeinander. Sowohl auf Bild- als auch auf Tonebene
entsteht eine teils fantastische und poetische Reflexion über unsere visuelle Wahrnehmung.

 

Victor Alimpiev, Wetterleuchten (Summer Lightnings), RUS, 2004, 4:11 Min, Farbe  [VIDEONALE.11]

Dass der Mund nicht nur ein sprechendes, sondern auch ein schweigendes Organ sein kann, zeigt Victor Alimpiev in seiner Arbeit Wetterleuchten [Summer Lightnings]. Dank des schweigenden Mundes erhalten die Augen und Hände einer Gruppe von Schülerinnen eine besondere Vitalität. In einem Klassenzimmer klopfen die Mädchen, deren lebhafte Schönheit in den häufigen Nahaufnahmen präsent wird, auf Tische. Das dabei erzeugte Geräusch verwandelt sich in den kurzen Schnittfolgen des Videos in einen wild aufflackernden Sommernachtssturm. Doch das geheime Handsignal der Mädchen leitet den Rezipienten schnell wieder zurück in die ruhige Welt. Und die Wiederholung dieses Prozesses, in der das Wetterleuchten immer deutlicher wird, scheint wie ein Sommernachtstraum.

 

Gonzalo Rodriguez, Rebeca, 2009, GER, 23:36 Min, Farbe [VIDEONALE.13]

Wie nähern wir uns Geschehnissen an, die sich unserem Verstand entziehen? Gonzalo Rodriguez umkreist diese Frage in seinem experimentellen Kurzfilm „Rebeca“, in dem er versucht, den Tod seiner Großmutter, die 1993 beim Überqueren einer Schnellstraße starb, nachzuvollziehen. Seine Suche führt ihn zurück nach Lima in Peru, den Ort des Geschehens. In losen Assoziationen reihen sich Bilder und Erzählungen aneinander, ohne ein geschlossenes oder gar wahrhaftiges Bild liefern zu können. Ein Manko, das Rodriguez jedoch nicht zu verbergen sucht, sondern vielmehr durch den Einsatz von Montagetechniken und Bildcollagen verstärkt. Die Frage nach der Macht und Ohnmacht von Bild und Wort und ihrem Zusammenwirken in der filmischen Erzählung ergibt eine zweite Folie, vor deren Hintergrund Rodriguez seine autobiografische Dokumentation entwickelt, die er schließlich in dem Bewusstsein enden lässt, dass jede Erzählung immer nur eine einzige von vielen möglichen Perspektiven auf das Geschehen vermitteln kann.

 

Laleh Khorramian, Water Panics in the Sea, 2011, IR, 14:00 Min, Farbe [VIDEONALE.14]
Laleh Khorramian entführt den Betrachter mittels raffinierter Animationstechniken in eine surreale Phantasiewelt aus Wellen, Felsen und Grotten. Man wähnt sich an Deck eines Schiffes, blickt bis zum Horizont, erkennt Eisberge und taucht dann auf den Meeresgrund, der von Traumwesen bewohnt ist. Wiederkehrende Motive tauchen aus dem Farbenmeer auf, Farbwechsel von Blau und Rot entfalten eine hypnotische Wirkung und intensivieren das Seherlebnis. Tatsächlich arbeitet Laleh Khorramian mit flüssigen Farben, die sie auf Glasscheiben aufträgt und die durch das Verlaufen der Flüssigkeiten und den Duktus des Pinsels eine eigene Formensprache entwickeln. So kreiert sie eine aufwühlende Collage zum Thema Wasser und Meer. Namensgeber und Kommentar zur Arbeit ist das am Ende der Arbeit folgende Gedicht „Water panics in the sea“ von Mumtazz und Antonio Poppe.

 

Shelly Nadashi, A Hidden Quiet Pocket, 2014, IL, 19:25 Min, Farbe [VIDEONALE.15]

Mensch kneten. Teig massieren.
Shelly Nadashi inszeniert in ihrem Video A HIDDEN QUIET POCKET auf den ersten Blick eine typische Massagesitzung. Die Kundin fragt die Masseurin dabei, wie viel Miete sie für eine Wohnung nehmen könne. Die Wohnung nimmt durch die Massagebewegung und die Nachfrage der Masseurin Gestalt an. Durch die immer ausfallender werdenden Bewegungen der Massage wird der Neid und die Habgier der Masseurin deutlich – sie kommt der Kundin immer näher, aggressiver und aggressiver. Wie ein Mantra spricht die Masseurin immer wieder im selben Rhythmus: »A piece of cake, a piece of cake,…« Den Teig für diesen Kuchen formt sie sich durch die Massage erst selbst. Oder ist es am Ende mehr als Massage? Would you like a piece of cake?