Subversive Praktiken hinter dem ‚Eisernen Vorhang‘: Performances für die Kamera von Ion Grigorescu

Elektronenströme November 2016

Mittwoch 2. November 2016 // 19:00 Uhr // Auditorium des Kunstmuseum Bonn
Freier Eintritt

 

Referentin: Corinna Kühn M.A. – Kunsthistorisches Institut, Universität zu Köln

 

Künstler*innen, die im Ostmitteleuropa der 1970er Jahre performativ oder aktionskünstlerisch arbeiteten, realisierten ihre Arbeiten zumeist im halböffentlichen oder privaten Raum. Da die Aktionen größtenteils im Verborgenen stattfanden und, wenn überhaupt, nur einem kleinen Publikum zugänglich waren, zielte die Medialisierung dieser flüchtigen Ereignisse mittels Fotografie und Film auf eine Archivierung und Distribution dieser Arbeiten, ermöglichte eine breitere Rezeption und machte die Werke sichtbar. Auch der rumänische Künstler Ion Grigorescu agierte in isolierter Art und Weise vor der Kamera und lotete alltägliche wie künstlerische Handlungen sowie ihre Interdependenzen aus. Während er einfache und banal anmutende Tätigkeiten wiederholte und seriell aufzeichnete, stellte er die Frage nach Überwachung, Kontrolle und individueller Selbstbestimmung im sozialistischen Staat. Im Prozess der Aufzeichnung und später im Rezeptionsprozess der medialisierten Performances entspinnt sich ein Dialog zwischen Performer und Betrachtenden, der in der performativen Wiederholung Machtgefälle erzeugt und wieder aufhebt und Rollenbilder produziert, variiert und damit hinterfragt. Am Beispiel der Arbeiten Grigorescus wird gezeigt, auf welche Art und Weise die Interaktion von Performer und Kamera eine ‚soziale Situation‘ erzeugt und welche Rolle dabei ‚zukünftige‘ Betrachtende spielen.